Bis die Finger bluten (2014)

Die Bayern lieben ihre Traditionen und pflegen sie mit Hingabe, auch wenn das zuweilen Leidensbereitschaft erfordert – etwa bei der 55. Deutschen Meisterschaft im Fingerhakeln. Hier zählt nur eine Frage: Wer ist der Stärkste?

Warm ist es im Festzelt am Wittelsbacherpark. Der Geruch von Leberkas und Brathendl liegt in der Luft, dazu Tabak, Bier und Blasmusik. Langsam füllt sich der Raum unter dem großen weißen Zeltdach. Menschen in Tracht nehmen an Biertischen unter den Kunsttannen-Girlanden Platz. Wohin ich auch schaue: Dirndl, Lederhosen, Wadlwärmer, Trachtenschmuck. Fesche Madln und gestandene Mannsbilder, davon viele mit Bart, Bauch und Bizeps. Die Bühne ist bereitet, die Spiele können beginnen...

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Baders Freude ueber den Meistertitel ist grenzenlos, die Gelassenheit seines Auffaengers auch.Anton Bader gibt acht Sekunden alles. Dann hat er das Finale im Mittelgewicht fuer sich entschieden.Zu Beginn eines Wettkampfes suchen zwei Kontrahenten unter Aufsicht des Schiedsrichters Halt im Lederring.Einmal kurz anfeuernde Zuschauer fotografiert...Trainingslager Fuer einen guten Griff am Hakelband bereiten sich die Wettkaempfer mit Magnesia und Foehn akribisch vor.Zum Aufwaermen sind umgebaute Expander das Mittel der Wahl.Nach den ersten paar Wettkaempfen gibt es keinen Zweifel mehr, woher die Redewendung Kraftsport tut in Bayern auch mal weh.Wenn das Fleisch schwaecher als der Wille war, steht ein Besuch beim Sanitaeter an. Der kuemmert sich dann um den laedierten Wettkampffinger.... schon ist Josef Utzschneider deutscher Meister im Schwergewicht und Michael Koelbl hat das Nachsehen, aber noch Sportsgeist fuer ein Laecheln uebrig.Fuer den Pokal in der Mannschaftswertung haben die Oberammergauer Fingerhakler gleich eine sehr praktische Verwendung gefunden. Schliesslich schmeckt Bier aus Trophaeen einfach am Besten.

© Philipp Guelland, 2014